Verrenkungen mit dem Apfel

Wenn je einem Anbieter nachgesagt wurde, benutzerfreundliche Software zu bauen, dann ist das Apple. Das mag stimmen. Wenn man das tun will, was Apple möchte. Tanzt man aber aus der Reihe, ist selbst die absurdeste Linux-Distribution benutzerfreundlich. Sogar Windows *schüttel*.

Hier das Szenario: Ein glücklicher Apple-User – nennen wir ihn der Einfachheit halber X – ist Besitzer eines G4 PowerMac und einiger hochwertiger Software-Produkte mit Preisen, die im vierstelligen Bereich liegen. Und er hat gerade genug Geld, um seine in die Jahre gekommene Hardware gegen etwas halbwegs Aktuelles auszutauschen. Er möchte also gerne seine alte Software weiter verwenden.

Unglücklicher Weise hat aber Apple zwischenzeitlich beschlossen, billig bei Intel einzukaufen, statt sich weiter mit PowerPC rumzuärgern und so laufen die Programme nur noch in einer Emulation namens Rosetta. Auch kein Problem, wenn nicht Apple beschlossen hätte, dieses schöne Feature zu streichen. X braucht also ein MacOS 10.6. Und einen Rechner, auf dem das noch läuft. Den Rechner bekommt er auch. Leider ohne das MacOS 10.6. Und nun beginnt das eigentliche Drama. Um auf dem Gerät 10.6 zu installieren braucht X ein Medium mit 10.6.7. Gibts zwar, aber nicht für dieses Gerät. Man kann es nicht mal kaufen. Gab es nämlich auch nie.

X muss jetzt also hin gehen und aus einem universellen Medium mit 10.6.0 und einem hardwarespezifischen mit 10.6.7 ein Medium basteln, von dem das Gerät auch bootet. Nur gut, das X jemanden kennt, der durch unzählige Linux-, FreeBSD- und Windowsinstallationen derlei haarsträubenden Mist gewöhnt ist. Ich meine, ja, es geht hier darum, acht Jahre alte Software mit Hilfe eines drei Jahre alten und seit einem Jahr überholten Systems auf einem circa einen Jahr alten Rechner zum Laufen zu kriegen.

Verrenkungen, die ich persönlich normalerweise nicht mache, weil ich keine völlig überteuerte proprietäre Dreckssoftware nutzen muss, sondern meistens mit dem auskomme, was meine Distri mitliefert. (Ach ja, Gimp-Programierer, könnt ihr bitte, bitte Gimp endlich beibringen, vernünftig mit CMYK umzugehen? Dann müsste ich nicht nicht auch noch mit Adobes irrsinnigen Preisvorstellungen herumschlagen.) Oder, wenn ich denn mal das Teufelszeug aus Redmond nutzen muss, ein über 10 Jahre altes WindowsXP auf quasi brandneuer Hardware zum laufen bekomme ohne mir einen Arm und ein Bein auszureißen und dann damit noch Zork Nemesis von 1996 spielen kann (Hat eigentlich mal jemand versucht, das unter Win7 64bit zu tun?)

Alles in allem bestätigt das meinen Eindruck von Apple. Wo Linux die Anarchisten-Kommune und Windows der Folterkeller ist, ist MacOS/Apple die Gummizelle, wo du immer, wenn du wo hin willst, wo deine Wärter dich nicht haben wollen, butterweich abprallst.

Also bevor ihr irgend welchen Steve-Jobs-Epigonen euer hart verdientes Geld in rauen Mengen in den Rachen werft: Seid euch sicher, dass ihr mit den Wünschen eurer neuen Meister konform geht. Sonst erwarten euch Kopfschmerzen wie sie der andere Steve nicht besser produzieren könnte.

PS: Nein, ich bin kein Apfel-Hasser. Ich find das besagte MacBook Pro voll sexy und ich mag eigentlich auch die Oberfläche. Aber die Geschäftsphilosophie irritiert mich gelinde gesagt.

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3 Kommentare zu Verrenkungen mit dem Apfel

  1. Sebastian sagt:

    1. Zork Nemesis gibt’s unter http://www.gog.com/en/gamecard/zork_nemesis_the_forbidden_lands für $5.99. Ist unter aktuellen Windowsen lauffähig und DRM-frei.

    2. Es gibt ein bisschen CMYK-Support für GIMP mit den Plugins unter http://registry.gimp.org/taxonomy/term/258

    3. Das Problem mit proprietärer Software ist halt immer, dass es Kopfschmerzen bedeutet, irgendetwas am laufenden System zu ändern. Wenn der Lock-In dann auch noch auf mehreren Ebenen erfolgt, ist es besonders ärgerlich.

    Deswegen müsste die Schuldzuweisung hier an drei Stellen gleichermaßen abgeliefert werden: Apple, Quark und der Auftraggeber, der nur arkane Formate annimmt. Die Geschäftsphilosophien aller drei Unternehmen sind fragwürdig; die von Apple ist allerdings die am häufigsten falsch verstandene: Apple will Hardware verkaufen; Software ist eher Mittel zu diesem Zweck; es sollte nie einen Grund geben, nicht die aktuellste Software einzusetzen.

  2. Kai sagt:

    Zork Nemesis hab ich da. Mir fehlt das Win7 und die Lust es auszuprobieren. Das Gimp-Plugin hab ich auch. Das hat mit professioneller Farbseparation leider nur wenig zu tun. Bei Punkt 3 geb ich dir durchaus Recht. Bedauerlicher Weise gibt es bis jetzt aber kein FOSS-Programm, dass sich in Preprintbereich auch nur ansatzweise etablieren konnte. Da muss man dann mit den proprietären Sachen klar kommen, wenn man Geld verdienen will. Und ich sehe nicht, das sich da in absehbarer Zeit etwas ändern wird.

  3. Sebastian sagt:

    Das Zork Nemesis von GOG ist extra auf aktuelle Windowse angepasst. Dafür bezahlt man denen Geld. Wenn man das alte Original auf aktuellen Systemen zum Laufen bringen möchte, bezahlt man das mit Zeit.

    Das GIMP+CMYK-Problem lässt sich bestimmt auch mit Geld lösen. Es scheint prinzipiell aber anscheinend nicht genügend Leute zu geben, die unbedingt CMYK-Support in GIMP brauchen.

    Wie Arbeitsrealität und Gewinnmöglichkeiten im Preprint-Bereich aussehen, weiß ich nicht. Deswegen werde ich mich dazu nicht äußern.

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